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Slow Food – authentisch und ursprünglich

16. Februar 2021

Gastbeitrag von Simone Hübener,
Mitglied bei Slow Food

Entschleunigung, Achtsamkeit und Selbstfürsorge: Diese Begriffe begegnen uns in Ratgeberbüchern, Zeitschriften und Gesundheitssendungen im Fernsehen allenthalben. Ich persönlich benötige, um all das zu zelebrieren, nur meine eigene Küche und eine bunte Palette an frischen Zutaten. Beim Schnippeln, Brutzeln und Garen der verschiedenen Lebensmittel nimmt man sie sehr intensiv wahr und findet dabei seinen ganz eigenen Rhythmus. Dabei kommt dann allerdings schnell die Frage nach der Qualität und Herkunft des verwendeten Gemüses, des ausgewählten Fleisches und der frischen Pasta auf.

(Noch) eine Erfolgsgeschichte aus Italien

Genau damit beschäftigt sich schon seit mehr als drei Jahrzehnten die Organisation Slow Food, die 1986 im italienischen Bra gegründet wurde. Mittlerweile ist der Verein in mehr als 160 Ländern aktiv, zählt laut der eigenen Webseite 100 000 Mitglieder und mehr als eine Million Unterstützer*innen. Dabei eint alle das gleiche Ziel: das Engagement für gute, sauber und faire Lebensmittel. Damit sind beispielsweise handwerkliche Prozesse zur Herstellung, eine zukunftsorientierte Nahrungsmittelproduktion und faire Preise für Produzent*innen als auch Konsument*innen gemeint.

Gegründet wurde Slow Food von Carlos Petrini, bis heute Präsident des Vereins, als Reaktion auf die Eröffnung einer Filiale von McDonalds an der herrlichen Piazza Navona in Rom. Nur drei Jahre später rief er die internationale Slow-Food-Bewegung ins Leben, 1996 folgte der erste „Salone del Gusto“, eine kulinarische Messe, und 2004 die erste Konferenz des Netzwerks „Terra Madre“, an der mehr als 4.500 Bauern aus aller Welt teilnahmen. Der Stellenwert, der dieser Konferenz von Beginn an zugerechnet wurde, lässt sich schon an ihrem Schirmherrn erkennen: Prinz Charles, von dessen Engagement für den ökologischen Landbau – und zwar schon seit Mitte der 1980er Jahre – noch viel zu wenige Menschen wissen. Allen Stuttgarter*innen sei der „Markt des guten Geschmacks“ ans Herz gelegt, der jedes Jahr in der Woche nach Ostern im Rahmen der Frühjahrsmesse auf den Fildern stattfindet. Für die 2022er-Edition seien die Daumen fest gedrückt!

©Messe Stuttgart
©Messe Stuttgart

Der Einzug in die heimische Küche

Doch wie klappt es nun am besten mit der Umsetzung in der eigenen Küche? Nur saisonale und regionale Produkte verwenden? Das klingt für viele nach Einschränkung und Verzicht, denn in unserer Gesellschaft kommen pünktlich zu Weihnachten der Spargel aus Peru auf den Tisch, frische Tomaten gibt es 365 Tage im Jahr und auch Erdbeeren sind weit vor und nach der hiesigen Saison verfügbar. Betrachtet man diese „Einschränkung“ dagegen aus einer anderen Perspektive, wird daraus schnell ein Gewinn. Zum einen werden die Lebensmittel schon aufgrund ihrer zeitlich viel knapperen Verfügbarkeit viel kostbarer. Wer Spargel nur während der deutschen Saison auf seinem Teller weiß, freut sich beim letzten Spargelrisotto schon unglaublich auf das nächste Jahr. Mit Tomaten, die beim Bauern ums Eck gereift sind und frisch im Sugo landen – italienisch für Tomatensauce –, lernt man deren facettenreiche Aromen erst richtig kennen. Hinzu kommen Obst- und Gemüsesorten, die sich – auch dank des Sortiments auf Wochenmärkten und in Bioläden – (wieder) neu entdecken lassen: Quitten, mal pikant zu einer Lammtajine verarbeitet, Rübchen aller Art und Grünkohl, aus dem sich ein schmackhafter und äußerst gesunder Grünkohl-Zitronen-Salat (Rezept siehe unten) zubereiten lässt. Um dem Slow-Food-Gedanken gerecht zu werden, ist es wichtig, beim Einkaufen auf qualitativ hochwertige und frische Lebensmittel zu achten, die dann auch ihr Geld „wert“ sind.

©Anna Sulencka / Pixabay

Dieses Rezept kommt von Sybille Schönberger, Event- und Fernsehköchin aus Mörfelden-Walldorf.

Zutaten:

  • ca. 300 g frischen Grünkohl ohne Stängel
  • 1 Bio Zitrone (Abrieb und Saft)
  • 1 Granatapfel
  • 20 g Sesam geröstet
  • 1 Knoblauchzehe fein geschnitten
  • 70 ml Sesamöl kalt gepresst
  • ½ Bund Schnittlauch in feine Ringe geschnitten
  • 200 g Austernpilze im Ganzen
  • Pflanzenöl zum Anbraten
  • 2 EL Honig
  • Salz

Zubereitung:

Den Grünkohl in feine Streifen schneiden und mit etwas Salz kräftig kneten, bis der Kohl geschmeidig wird. Mit Zitronensaft, Zitronenabrieb, Honig, Schnittlauch und Sesamöl abschmecken. Den Granatapfel entkernen und gemeinsam mit dem Sesam über den Kohlsalat streuen. Die Austernpilze in etwas Pflanzenöl knusprig braten und mit Salz, Pfeffer und Knoblauch würzen. Die knusprigen Pilze aus der Pfanne nehmen, auf ein Küchenpapier zum Entfetten legen und danach auf dem Salat anrichten. Guten Appetit!

Beitragsfoto: Copyright by Martina Janachová / Pixabay

Zu unseren Kursen:

211-38410       Ostermenü  am Sa, 27.03.21
211-38060       Regionale Superfoods (Web) am Sa, 10.04.21
211-38650       Lust auf Frühling – Menü für Genießer am Sa, 10.04.21
211-38700       Slow Food Kochclub: Frühling  am So, 25.04.21
211-38130       Kochen wie Jamie am So, 02.05.21
211-38378       Bowls – lecker, bunt und gesund am Fr, 07.05.21
211-39250       Gaumenfreuden aus Persien am Sa, 15.05.21
211-39225       1001 vegetarische Meze am Do, 17.06.21
211-38660       Saucen-Grundkurs  am Sa, 19.06.21
211-38820       Green Cooking  am Do, 24.06.21
211-38710       Slow food Kochclub: Sommer am So, 27.06.21

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