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Faszinierende Einblicke in einen Biobetrieb

22. Januar 2024

2023 feierte Valdibella das 25. Jahr des Bestehens. Was klein begann ist zu einer Kooperative von 30 Biobetrieben und mehr als 20 Beschäftigten angewachsen.

Anfang November machte ich mich mit dem Zug auf den Weg von Stuttgart nach Palermo auf Sizilien. 28 Stunden Zugfahrt lagen vor mir und ein Aufenthalt in bella italia der anderen Art: In den beiden folgenden Wochen würde ich bei Valdibella, einer Kooperative von rund 30 kleinen Biobauern und -bäuerinnen, hospitieren. Doch was genau würde mich erwarten? Welche Erfahrungen würde ich machen und wie tief dürfte ich wohl hineinblicken in den Betrieb, der auch selbst produziert? Den groben Ablauf hatte ich mit meinem Ansprechpartner im Voraus besprochen, doch die Details blieben spannend. Die Möglichkeit zu dieser Hospitation im Rahmen des Programms Erasmus+ eröffnete mir meine Tätigkeit als Dozentin an verschiedenen Volkshochschulen in der Region.

Die Überfahrt mit dem Zug auf der Fähre ist ein einmaliges Erlebnis, das schon alleine die vielen Stunden Zugfahrt wettmacht.

Schon alleine die Reise war ein Erlebnis, das ich allen empfehlen kann. Ich hatte viel Zeit, um abzuschalten und Abstand von meinem Alltag hier in Stuttgart zu gewinnen. Die Züge von trenitalia, der italienischen Staatsbahn, sind geräumiger, sauberer und pünktlicher als unsere hierzulande und die Überfahrt vom Festland nach Sizilien mit dem Zug auf der Fähre, ist einmalig. Wer möchte, kann zur frühen Morgenstunde aus dem Wagon aussteigen und an Deck gehen. Dort erwartete mich eine frische Meeresbrise und strahlender Sonnenschein – welch herrlicher Empfang in meinem Lieblingsreiseland! Nach weiteren drei Stunden Zugfahrt und einer kürzen mit dem Auto – ich wurde abgeholt; Ehrensache! – fand ich mich auf einem bewaldeten Hügel am Rande des 3.000-Seelen-Dorfs Camporeale wieder. Begrüßt wurde ich mich einem Festessen, das mir gleich einmal beeindruckend zeigte, welche enorme Vielfalt der Betrieb mit seinen 25 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen herstellt: von Pesto aus wildem Fenchel und Oliventapenade über die besten Nudeln, die ich in meinem Leben jemals gegessen habe, bis hin zu Mandeln und frischen Granatäpfeln. Von der großen Bandbreite verschiedener Weine ganz zu schweigen.

Gegründet wurde die Kooperative im Juni 1998 unter anderem von Massimiliano Solano, der bis heute ein
wichtiger Ansprechpartner für alle ist und sich sehr für Valdibella und deren Ziele einsetzt. Den Bauern und Bäuerinnen eröffnet die Kooperative ganz neue Möglichkeiten und vor allem eine sehr große Wertschätzung ihrer Arbeit und ihrer Produkte. So werden beispielsweise Orangen oder Granatäpfel, die keine 1A-Qualität haben und nicht als Frischware verkauft werden können, zu Saft verarbeitet. Eine zweite Chance erhalten auch junge Menschen, die sich bei der Integration in den Arbeitsmarkt und die Berufswelt schwertun. Sie werden bei Valdibella gefördert und schaffen so oft den Einstieg.

Bei Valdibella wird noch sehr viel von Hand gemacht und die Beschäftigten in der Produktion
reagieren immer flexibel auf das, was die Bauern und Bäuerinnen gerade ernten.

Am ersten Morgen durfte ich nach einem gemeinsamen Frühstück gleich an einer internen Besprechung mit einer Weinverkostung teilnehmen. Am Nachmittag war der erste Besuch in der Produktion angesagt. Ich half beim Labeln von Flaschen mit leuchtend roter Passata, also passierten Tomaten, und verpackte sie
anschließend in Versandkartons. Denn die Produkte von Valdibella sind so beliebt, dass sie in zahlreiche
Länder rund um den Globus verschickt werden. Meine Muskeln ließen mich spüren, dass ich sonst die
meiste Zeit am Schreibtisch sitze. Beeindruckend war für mich, wie viel hier noch von Hand gemacht wird
und das mit viel Liebe. Außerdem können alle ganz verschiedene Tätigkeiten ausführen – die einzige
Möglichkeit, damit alles reibungslos klappt. Denn das oberste Kredo ist, die Waren so frisch wie irgend
möglich zu verarbeiten. Dies bedeutet, dass die Ernte der 30 Bauern und Bäuerinnen, die sich der
Kooperative angeschlossen haben, oftmals den Ablauf bestimmt. Wenn der Basilikum reif ist, dann muss
eben Pesto hergestellt werden, und das Labeln und Verpacken unter Umständen aufgeschoben werden.
Eine Meisterleistung und Hut ab vor dem gesamten Team!

Wenngleich man einerseits aufgrund des Klimawandels in der Landwirtschaft immer weniger planen kann,
wird bei Valdibella vieles sehr genau geplant: damit möglichst immer das gesamte Sortiment angeboten
werden kann und gleichzeitig die Fruchtfolgen so angelegt sind, dass der Boden gesund bleibt.

Mehr dazu und zu meinen weiteren Erfahrungen gibt’s im zweiten Teil dieser kleinen Serie.

Lust auf mehr? Hier kommen die Links zu unseren Kursen:
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